Menschen & Stories

Hinter Localee: Drei Gründer, eine Idee und der Mut, einfach anzufangen

Localee-Mitgründer und CEO Dominic Preiß blickt zurück: auf die erste Idee, wilde Figma-Entwürfe, schwierige Entscheidungen und den Moment des Launchs.

  • Michael
  • 10 Min.
Die Localee-Gründer Dominic Preiß, Michael Gratz und Faisal Mohammadi bei der Arbeit

Dominic Preiß ist Mitgründer und CEO von Localee. Für diesen Artikel haben wir ihn gebeten, auf die Anfänge zurückzublicken: auf die erste Idee, unzählige Figma-Entwürfe, schwierige Entscheidungen und den Launch. Herausgekommen ist keine glatte Erfolgsgeschichte, sondern ein ehrlicher Blick hinter die Kulissen.

Ich habe Michael damals von meiner Idee erzählt und ihn gefragt, ob wir daraus gemeinsam etwas entwickeln wollen.

So erinnert sich Dominic an den Anfang unseres gemeinsamen Projekts. Kein fertiger Businessplan, kein perfektes App-Design. Erst einmal eine Idee, ein Gespräch und die Frage, ob wir daraus wirklich etwas machen könnten.

Heute ist Localee eine veröffentlichte App. Man kann Orte entdecken, Beiträge teilen und sehen, was andere empfehlen. Dazwischen liegen unzählige Entwürfe, eine Menge Diskussionen, Entscheidungen, die wir später wieder verändert haben – und drei Menschen, die unterwegs ziemlich viel lernen mussten.

Für diesen Artikel haben wir Dominic noch einmal durch diese Zeit mitgenommen. Nicht, um jedes Feature zu erklären. Sondern um herauszufinden, wie sich all das aus seiner Sicht angefühlt hat.

Der Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen

Die Idee zu Localee fiel nicht vom Himmel. Der Wunsch, etwas Eigenes zu machen, war bei Dominic schon viel länger da. Bereits während seiner Ausbildung und später im Berufsleben beschäftigte ihn die Selbstständigkeit. Mit seiner Cap-Marke blinc. hatte er schon Erfahrungen damit gesammelt, ein eigenes Projekt aufzubauen. Was noch fehlte, war eine Idee, die ihn langfristig nicht mehr loslassen würde.

Die kam aus einem Umfeld, mit dem er nicht nur beruflich, sondern auch familiär eng verbunden ist: der Gastronomie. Dominics Eltern führen ein Restaurant, in dem er gelegentlich selbst mitarbeitet. Er kennt die Branche also nicht nur aus der Perspektive eines Gastes, sondern auch aus dem Familienalltag und der Arbeit im Restaurant. Gleichzeitig interessierte er sich immer für neue Restaurants und Bars und merkte, wie oft gute Tipps von anderen Menschen kamen. Freunde fragten ihn nach Orten, die er entdeckt hatte. Er fragte umgekehrt selbst nach Empfehlungen. Die Informationen waren da – nur eben über viele Gespräche, Plattformen und Karten verteilt.

Aus dieser Beobachtung entstand der Gedanke:

Da dachte ich mir: Daraus könnte eine wirklich spannende Plattform entstehen.

Eine Plattform, auf der soziale Inspiration, Empfehlungen aus dem Freundeskreis und die Orientierung in der Stadt zusammenfinden.

In seiner Erinnerung steht weniger ein einzelner Schlüsselmoment im Mittelpunkt als eine Beobachtung, die ihn immer wieder beschäftigte. Der Gedanke wurde konkreter – und irgendwann wollte Dominic herausfinden, ob sich daraus ein Produkt entwickeln ließe.

Aus Kollegen wurde ein Gründerteam

Michael und Dominic kannten sich bereits aus ihrem beruflichen Umfeld. Sie hatten mehrfach an Hackathons teilgenommen, einen davon gemeinsam gewonnen und dabei gemerkt, dass sie als Team gut funktionieren. Deshalb war Michael einer der ersten Menschen, mit denen Dominic seine Idee ernsthaft besprach.

Nach ersten Gesprächen, Brainstormings und einer ehrlichen Betrachtung des Wettbewerbs wurde schnell klar: Für eine App brauchte es auch jemanden, der das technisch aufbauen konnte. Faisal war damals neu im gemeinsamen beruflichen Umfeld – und kam als dritter Mitgründer dazu.

Wir brachten unterschiedliche Perspektiven mit: Dominic dachte stark vom Nutzungserlebnis und der Vision her, Michael hinterfragte die Planung und die wirtschaftlichen Grundlagen, Faisal übersetzte unsere Vorstellungen in technische Lösungen. Das war eine Stärke – bedeutete aber auch, dass wir manchmal sehr unterschiedliche Vorstellungen unter einen Hut bringen mussten.

Es folgte keine Bilderbuch-Startup-Phase mit einem fertigen Masterplan. Wir schauten uns andere Produkte an, diskutierten Möglichkeiten und träumten auch mal groß. Dann ging es zurück zum Alltag. Lange war Localee ein Projekt, an dem wir neben anderen Verpflichtungen arbeiteten. Mal mehr, mal weniger konsequent. Aber die Idee blieb.

Viel Hellblau, noch mehr Figma-Screens

Bevor die App überhaupt Form annahm, mussten wir ziemlich grundlegende Fragen beantworten. Wie sollte sie heißen? Wie sollte sie aussehen? Welche Funktionen gehören wirklich hinein?

Dominic erinnert sich daran, wie wichtig ihm eine eigene visuelle Identität war. Andere Apps hatten unverwechselbare Farben – warum also nicht auch Localee? Aus den Überlegungen entstand das charakteristische Hellblau. Beim Namen stand die Idee von „local“ im Mittelpunkt: Menschen, die sich in ihrer Stadt auskennen und besondere Orte weiterempfehlen.

Die ersten Oberflächen sahen allerdings noch ganz anders aus als heute. Viel Grau, Schwarz, wenig Bildsprache. Feed, Karte und grundlegende Informationen zu Restaurants waren schon angedacht, aber vieles wirkte nüchtern und funktional.

Dass Localee heute so aussieht, war damals überhaupt nicht absehbar. Das hat sich wirklich Schritt für Schritt entwickelt.

Unsere Figma-Dateien erzählen diese Entwicklung fast besser als eine Chronologie: unterschiedliche Suchansichten, Profile, Feed-Varianten, Onboarding-Ideen, Restaurantseiten und ganze Konzepte, die später wieder verschwanden. Was damals wie ein Fortschritt aussah, war manchmal nur die Vorstufe zur nächsten Änderung.

Viele frühe Localee-Figma-Entwürfe und teils verworfene Oberflächen als überlagerte Collage

Nicht alles, was wir entworfen haben, hat es in die App geschafft. Und genau das gehört zu ihrer Geschichte.

Irgendwann reicht „nebenbei“ nicht mehr

Je konkreter Localee wurde, desto deutlicher merkten wir, dass ein Produkt nicht allein von guten Ideen lebt. Entscheidungen mussten getroffen, Funktionen entwickelt, Nutzerfeedback eingeholt und gleichzeitig ein Unternehmen aufgebaut werden.

Mit der Zeit entstand deshalb auch die Frage, wie viel Raum wir Localee wirklich geben wollten. Der Schritt zu mehr Fokus war kein spontaner Sprung ins Ungewisse. Wir machten uns Gedanken über finanzielle Sicherheit und darüber, wie wir Verantwortung für das Projekt übernehmen konnten.

Dominic beschreibt die Entscheidung so:

Wir wollten lieber ein Risiko eingehen und uns ganz auf eine Sache konzentrieren, als dauerhaft zwei Dinge parallel zu machen und keines davon richtig.

Es war ein Wechsel im Kopf: aus einem Projekt, an dem man nach Feierabend weiterarbeitet, wurde ein Vorhaben, dem wir bewusst Priorität geben wollten. Damit stiegen auch die eigenen Erwartungen.

Die App wurde nicht durch Perfektion besser

Gerade in der Entwicklung merkten wir, wie leicht man sich in Details verlieren kann. Wir wollten Dinge möglichst fertig haben, bevor andere sie sehen. Jede neue Funktion brachte zusätzliche Fragen mit sich. Jeder überarbeitete Screen machte die nächste Verbesserung sichtbar.

Rückblickend formuliert Dominic das so:

Wir wollten am Anfang immer alles perfekt haben. Wir haben Perfektion über Geschwindigkeit gestellt. Im Nachhinein war das ein Fehler.

Das bedeutete nicht, plötzlich auf Qualität zu verzichten. Aber wir mussten lernen, dass Geschwindigkeit und echtes Feedback manchmal wichtiger sind als die nächste interne Korrekturschleife. Gerade die Beta-Phase war dafür lehrreich: Wir hatten uns mehr Tester und mehr Dynamik erhofft. Stattdessen mussten wir feststellen, dass sich nicht alle Menschen für eine unfertige App begeistern lassen – und dass ein technisch funktionierendes Produkt nicht automatisch Nutzer gewinnt. Umso wichtiger wurde es, genauer hinzuschauen, was Menschen in der App tatsächlich nutzen und wo noch etwas fehlt.

Mit wachsender Erfahrung wurde uns klar, dass wir auch uns selbst kritischer hinterfragen mussten. Was finden wir an unserer eigenen App gut? Was brauchen Nutzer tatsächlich? Und wo unterscheiden wir uns überhaupt von etablierten Plattformen?

Die Frage, die unser Produkt verändert hat

An diesem Punkt wurde aus einer Designfrage eine grundsätzliche Produktentscheidung. Frühere Localee-Versionen hatten noch klassische Sternebewertungen. Doch je häufiger wir uns mit Google, Instagram und anderen Angeboten verglichen, desto stärker beschäftigte uns die Frage nach einer eigenen Richtung.

Die kam nicht nur aus internen Diskussionen. Dominic erzählt von Gründerveranstaltungen und Speed-Dating-Formaten, bei denen wir unsere Idee vorgestellt und kritische Rückfragen bekommen hatten. Manche davon waren unbequem – aber sie halfen uns, unsere Positionierung zu schärfen.

Uns wurde klar, dass wir uns stärker von anderen Plattformen abheben müssen. Schließlich kamen wir auf die entscheidende Frage: Würdest du dieses Restaurant deinen Freunden empfehlen oder nicht?

Aus einer vermeintlich kleinen Änderung entstand ein anderes Verständnis davon, welche Rolle Empfehlungen, Freunde und persönliche Erfahrungen in Localee spielen sollen. Nicht jede Entscheidung war von Anfang an richtig. Aber wir wurden besser darin, einen Ansatz auch wieder loszulassen, wenn es einen überzeugenderen gab.

Das Problem, das wir wirklich unterschätzt haben

Manche Herausforderungen erkennt man allerdings erst, wenn man schon mittendrin steckt. Bei Localee war das besonders deutlich beim Aufbau einer Community.

Eine Social-Discovery-App lebt nicht allein davon, dass Restaurants auf einer Karte stehen. Menschen sollen Beiträge veröffentlichen, anderen folgen, Orte empfehlen und ihre Freunde mitbringen. Neue Nutzer möchten interessante Inhalte sehen. Damit diese Inhalte entstehen, müssen aber erst andere Menschen aktiv werden.

Dominic beschreibt offen, wie sehr uns diese Hürde beschäftigt:

Hätte ich damals gewusst, wie hart es ist, eine App mit diesem Cold-Start-Problem aufzubauen, hätte ich mir vielleicht eine andere Idee gesucht oder eine andere App gebaut.

Das ist eine unbequeme Erkenntnis. Sie zeigt, was wir damals noch nicht überblicken konnten. Das Problem ist auch heute nicht vollständig gelöst. Wir arbeiten daran, mehr Menschen in die App zu bringen, sie zum Teilen zu motivieren und eine Community aufzubauen, die sich selbst weiterentwickelt.

Auch im Team mussten wir lernen. Gerade bei der Zusammenarbeit auf Distanz waren Absprachen nicht immer so klar, wie sie hätten sein können.

Wir haben oft aneinander vorbeigeredet. Hätten wir uns manchmal klarer ausgetauscht, wären wir wahrscheinlich schneller gewesen.

Heute sprechen wir Dinge bewusster an, versuchen Erwartungen eindeutiger zu formulieren und Entscheidungen schneller gemeinsam zu treffen.

September 2026: Keine große Bühne, aber ein großer Moment

Der Launch war ursprünglich früher geplant. Mehr als einmal verschob sich der Termin. Auch ein größeres Launch-Event, das wir uns vorgestellt hatten, ließ sich zunächst nicht umsetzen.

Als Localee im September 2026 schließlich öffentlich verfügbar war, gab es deshalb kein großes Spektakel. Wir gingen einfach zu dritt essen.

Wir haben uns gesagt: Jetzt dürfen wir auch einmal feiern, was wir gemeinsam geschafft haben.

Gerade dieser kleine Moment ist in Erinnerung geblieben. Nach all den Entwürfen, Abenden und Entscheidungen konnten wir die eigene App tatsächlich im Store sehen. Andere Menschen konnten sie herunterladen, ausprobieren und uns sagen, was sie davon hielten. Da war Stolz. Und natürlich Nervosität: Funktioniert alles? Wie reagieren die ersten Nutzer?

Aktuelle Localee-App mit Entdecken, Karte, Beiträgen und Profil in leicht versetzten iPhone-Rahmen

Aus den frühen Entwürfen wurde eine App, die Menschen heute tatsächlich nutzen können.

Gleichzeitig war schnell klar, dass der Launch keine Ziellinie war.

Der Launch ist ein kleiner Teil. Danach geht es weiter, und eigentlich geht es jetzt erst richtig los.

Downloads kommen nicht von allein. Noch wichtiger ist, dass Menschen wiederkommen, eigene Beiträge teilen und Freunde zu Localee bringen. Das ist die Arbeit, die jetzt beginnt.

Was das Gründen mit einem selbst macht

In unserem Gespräch ging es zum Schluss nicht mehr nur um Screens, Funktionen oder Nutzerzahlen. Wir wollten von Dominic wissen, was sich für ihn persönlich verändert hat.

Er erzählt davon, wie er gelernt hat, Entscheidungen zu priorisieren, Nutzer besser zu verstehen und mit kritischen Fragen souveräner umzugehen. Anfangs fiel es ihm schwerer, Localee so zu erklären, dass der Unterschied zu bestehenden Angeboten sofort klar wurde. Heute fällt ihm das leichter – auch, weil er selbst das Produkt und den Markt besser versteht.

Mit der Zeit habe ich Localee selbst besser verstanden und konnte es anderen auch überzeugender erklären.

Dazu kamen Dinge, die auf keinem frühen Figma-Board standen: Kampagnen, Marketing, Organisation, Finanzen und die Verantwortung, die mit einem eigenen Unternehmen einhergeht.

Und er sieht inzwischen klarer, was er rückblickend anders machen würde: früher mit Nutzern sprechen, im Team eindeutiger kommunizieren und nicht jede neue Erkenntnis zum Anlass nehmen, den Businessplan wieder komplett umzuschreiben.

Warum wir trotzdem weitermachen

Nachdem Dominic so offen über die Schwierigkeiten beim Aufbau einer Community gesprochen hatte, blieb für uns noch eine Frage: Was motiviert ihn dann eigentlich, jeden Tag weiterzumachen?

Seine Antwort kam ohne große Gründerfloskel aus.

Mich motiviert jeden Tag, etwas Neues zu erschaffen, das ein echtes Problem löst und Menschen Freude macht. Ich nehme gerne Herausforderungen an – auch solche, denen ich mich bisher noch nie gestellt habe. Und ich bin überzeugt von unserem Produkt und unserer Idee.

Vielleicht beschreibt genau das unsere gemeinsame Geschichte am besten. Wir haben nicht alles vorhergesehen. Wir haben Zeit in Dinge investiert, die später wieder verschwunden sind. Wir haben manches unterschätzt und einiges erst verstanden, als wir es selbst erleben mussten.

Aber aus einer Frage unter Kollegen wurde ein gemeinsames Unternehmen. Aus vielen Figma-Screens eine App. Und aus dem Wunsch, etwas Eigenes aufzubauen, die tägliche Aufgabe, es für andere Menschen wirklich nützlich zu machen.

Wir sind mit Localee noch lange nicht dort, wo wir hinwollen. Die Geschichte ist auch nicht fertig erzählt. Aber sie hat längst angefangen – und wir schreiben sie weiter.

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